Symposium China 20. Jh.

Lernen, Lehren und Forschen in China zu Anfang des 20. Jh. Hintergründe und Hinterlassenschaften

Saal 221, Asien-Afrika-Institut, Universität Hamburg,
Edmund-Siemers-Allee 1, 20146 Hamburg
 
Donnerstag, 22. 03.2018, 15-22 Uhr
 
Mit freundlicher Unterstützung des Graduiertenkollegs „China in Europe Europe in China“, Universität Hamburg
 

In Verbindung mit der Ausstellung

„Walter Liebenthal (1886–1982) und seine Forschungen zum chinesischen Buddhismus – Ein Leben im Exil“
in Kooperation mit Konfuzius-Institut Berlin | Freie Universität Berlin

22.-24. März | 14-18 Uhr
 
Anmeldung zum Symposium erbeten bis zum 21.03.2018 unter buero[at]konfuzius-institut-hamburg.de oder über dieses Anmeldeformular.
 

Programm

15.00-15.15 Uhr Begrüßung
Dr. Carsten Krause, Konfuzius-Institut an der Universität Hamburg

15.15-16.00 Uhr EINFÜHRUNGSVORTRAG
 
Kaufleute, Missionare, Soldaten – Die Geschichte der Deutschen in China
Martina Bölck, Autorin, Hamburg
Hilke Veth, Publizistin, Hamburg

Geachtete Kaufl eute und dubiose Militärberater, Kolonialherren und Kenner der chinesischen Kultur, Missionare und Gelehrte, Nazis und gefl üchtete Juden, die Geschichte der Deutschen in China hat viele Facetten und ist hochinteressant, nicht zuletzt auch im Hinblick auf das heutige Verhältnis der beiden Länder. Anhand von Fotos und vielen Originaltexten (Briefe, Tagebücher, Reiseberichte ...) wird die wechselvolle Geschichte der Deutschen in China von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zur Repatriierung nach dem Zweiten Weltkrieg lebendig.

16.00-16.15 Uhr Pause
 
16.15-17.00 Uhr Deutsche Schüler in China

Über den Alltag an der Deutschen Schule Shanghai (Kaiser-Wilhelm-Schule, 1895-1945)
Bao Zhong, Graduiertenkolleg „China in Europe, Europe in China“, Universität Hamburg

Die Deutsche Schule Shanghai (Kaiser-Wilhelm-Schule, KWS) war die erste deutsche Schule in Ostasien und nahm von ihrer Gründung im Jahr 1895 bis 1945 deutsche und ausländische Schüler auf. Die Schule lag in der Internationalen Niederlassung Shanghais und unterlag somit dem ständigen Konfl ikt zwischen den unbeständigen Bedingungen in China und den Forderungen aus Deutschland. Für die KWS als sogenannte „Deutsche Schule im Auslande“ gehörten auch die Erhaltung und Förderung der deutschen Kultur zu den Aufgaben der Schule. So bildet die Entwicklung der Deutschen Schule Shanghai nicht nur einen Teil der Geschichte der in China lebenden Deutschen, sondern spiegelt auch die Beziehungen zwischen den beiden Ländern wider. Am Beispiel der Lehr- und Lerntätigkeiten an der KWS wird in diesem Vortrag Fragen rund um den Schulalltag auf den Grund gegangen: Wie verlief ein Tag an der Deutschen Schule Shanghai? Wie änderte sich der Schulalltag in Zeiten des Friedens und des Krieges? Welche Beziehungen bestanden zwischen deutschen Schülern und Mitschülern anderer Nationalitäten? Wie erinnern sich die Schüler an ihre Schulzeit in Shanghai? Anhand von Archiv- Dokumenten aus China und Deutschland sowie Interviews mit ehemaligen Schülerinnen und Schülern wird ein di erenziertes Bild der Deutschen Schule Shanghai gezeichnet und ihre wechselhafte Geschichte erzählt.
 
17.00-17.45 Uhr Deutsche Lehrer in China

Von großen Ambitionen und kleinen Erfolgen
Henrike Rudolph, Lehrstuhl für Sinologie, Friedrich-Alexander
Universität Erlangen-Nürnberg, ehem. Graduiertenkolleg „China in
Deutschland, Deutschland in China“, Universität Hamburg

Seit dem 19. Jahrhundert übte China für Deutsche große Anziehungskraft aus. In Ostasien lockte das Fremde und Exotische, doch gleichzeitig ho te man, China möge „deutscher“ werden, also industrialisierter, moderner und vor allem o ener für den
internationalen Handel. In diesem Vortrag soll es um eine Gruppe von Deutschen in China gehen, die sich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Veränderung der chinesischen Gesellschaft zum Ziel gesetzt hatten: deutsche Lehrer und Ausbilder. Welche Visionen entwarfen sie für die Zukunft Chinas? Was trieb sie in ihrer Arbeit an? Es kann und darf jedoch nicht genügen, den deutschen Blick auf China zu rekonstruieren: Wie genau wurde „deutsche Bildung“ aus chinesischer Perspektive defi niert? Wie wurden deutsche Vorstellungen von Bildung in China neu interpretiert? Viele der von deutschen Lehrern erbauten Kulturbrücken hielten den politischen Wirren nicht stand, doch andere tragen bis heute den Austausch zwischen beiden Ländern.
 

17.45-18.00 Uhr Pause
 
18.00-18.45 Uhr Deutsche Forscher in China
 
Wolfgang Franke (1912-2007): Seine Werke und Vermächtnis
Dr. habil. Foon-Ming Liew-Herres, Hamburg

Im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert verleiteten die sonderbarsten Wege deutsche Forscher zur wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit China. Während Otto Franke (1863-1946) noch als Übersetzer und Diplomat nach China ging und erst später zu einem der berühmtesten deutschen Sinologen wurde, schlug sein Sohn Wolfgang Franke (1912-2007) einen direkten Weg ein. Was brachte ihn zur China-Forschung und wie gelangte er nach China? Was machte Wolfgang Franke schließlich weltweit zu einem der bedeutendsten Sinologen auf dem Spezialgebiet der Ming-Dynastie (1368–1644) und der Chinesen in Südostasien? Der Beitrag beleuchtet den wissenschaftlichen Werdegang von Wolfgang Franke in China und Südostasien, seine Persönlichkeit, sowie sein Berufsethos im Zeichen jener Zeit. Dabei blickt er auch zurück auf das Vermächtnis des alten Franke und die bis heute spürbaren Hinterlassenschaften des Wolfgang Franke. Denn dieser hat – wie Auszüge aus seinen wissenschaftlichen Werken, seinen Reiseberichten, aber auch Briefwechseln mit der Referentin dokumentieren – viele Sinologen, auch in Deutschland, maßgeblich geprägt.
 
18.45-19.00 Uhr Pause

FESTVORTRAG ZUR AUSSTELLUNG
Deutsche Forscher in China Walter Liebenthal (1886-1982) und seine Forschungen zum chinesischen Buddhismus – Ein Leben im Exil
Prof. Dr. Dr. h.c. Mechthild Leutner, Freie Universität Berlin
Roberto Liebenthal, MBA, Buenos Aires
Zur China-Forschung kam Walter Liebenthal (1886-1982), Indologe und Sinologe, auf ganz persönlichem Wege. Sie erfuhr vor allem vor Ort in China ihre besondere Entfaltung. Auf der Suche nach alternativen philosophischen Entwürfen hatte Walter Liebenthal sich früh für den Buddhismus zu interessieren begonnen. Im Jahr 1933, nach der nationalsozialistischen Machtübernahme, war der gerade promovierte Liebenthal wegen seiner jüdischen Herkunft gezwungen zu emigrieren: China bot ihm und seiner Familie Zufl ucht und die Möglichkeit, seine Forschungen, zunächst am Sino-Indian Institute in Peking, dann nach der japanischen Aggression im Landesinnern in Kunming und 1945 bis 1952 erneut in Peking, weiterzuführen. Schließlich wurde Liebenthal zu einem der ersten Wissenschaftler, die sich ganz intensiv und speziell der Erforschung des chinesischen Buddhismus zugewandt haben. Wie hat die Forschung in China sein sinologisches Interesse geprägt? Welche Charakteristika zeichnen chinesischen Buddhismus aus und welche Grundgedanken des Buddhismus sind auch in der Gegenwart wichtig: diese Fragen sollten zu zentralen Schwerpunkten seiner zahlreichen Schriften werden.
Die Ausstellung und der Vortrag ihrer Kuratoren sucht erstmals den außergewöhnlichen Lebensweg und die Forschungsschwerpunkte dieses Wissenschaftlers aufzuarbeiten und im Kontext von Emigration und Exil zu analysieren.

Podiumsdiskussion
Moderation
Mascha Jacoby, Graduiertenkolleg „China in Europe, Europe in China“ und Schreibzentrum (Universitätskolleg), Universität Hamburg

Zum Ausklang Buffet und Umtrunk

Anmeldung erbeten bis zum 21.03.2018 unter buero[at]konfuzius-institut-hamburg.de oder über dieses Anmeldeformular.